Die Freitagsperspektive ist unsere Meinungsrubrik. In ihr kommen einzelne Mitglieder zu Wort, die zu einem Herzens- oder einem aktuellen Thema Stellung beziehen. Mit dieser Rubrik wollen wir die Vielfalt unserer Partei zeigen und zu Meinungsaustausch anregen. Schreiben Sie uns gerne auch Ihre Meinung zu einem der angesprochenen Themen!

    07.08.2020

    Wildkräutersaat am Wegesrand – eine einfache Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt

    Kürzlich war ich auf Sylt im Urlaub und habe dabei mit großer Überraschung inmitten des gepflegten, gut bürgerlichen Westerland einen Wildwuchs auf dem Seitenstreifen entdeckt (siehe Foto).

    Die Überraschung war positiv: Ich freue mich an wilder Natur, wenn man bei 1 m Breite überhaupt davon sprechen kann. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass dieser auf den ersten Blick ungepflegte Seitenstreifen keineswegs Zufall war. Ein kleines Hinweisschild verriet, dass es sich um eine „Wildkräutersaat für Bienen, Schmetterlinge & Co.“ handelte.

    Solche Wildkräuter erfüllen einen wichtigen Zweck, indem sie Bienen und anderen Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle bieten. Derartige Maßnahmen zum Erhalt und Stabilisierung der Insekten-Population sind dringend notwendig. So zeigte zum Beispiel die sogenannte Krefelder Studie in 2017, dass die Biomasse bei Fluginsekten bereits um 75% (!!!) zurückgegangen ist. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von der hohen Stickstoffbelastung durch Verkehr und Düngemittel über den Einsatz von Pestiziden bis zu dem ständigen Zurückdrängen natürlicher Lebensräume.

    Umso mehr freut es mich, dass mit solchen Wildkräutersaaten endlich neue Ruckzugsräume für die Insektenwelt geschaffen werden. Machen wir uns nichts vor: so ein schmaler Streifen am Wegesrand ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wird alleine keine Trendwende schaffen. Dafür brauchen wir viele weitere Maßnahmen. Ein guter Ansatz ist da aus meiner Sicht das neue Artenschutz-Gesetz in Bayern, das die ÖDP geschrieben und durch ein erfolgreiches Volksbegehren durchgesetzt hat.

    Mich überzeugen solche Wildkräuter am Wegesrand, da es eine Maßnahme ist, die einfach umzusetzen ist. Ich bin mir sicher, dass wir in unseren Städten viele ungenutzte Flächen finden, die wir so der Natur zurückgeben können. Kritiker mögen sagen, dass das Mähen am Straßenrand wichtig ist, damit Verkehrszeichen gut erkennbar sind. Ich will nicht abstreiten, dass es Stellen im Verkehrsraum gibt, wo das der Fall ist. Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir in Deutschland nach wie vor noch dem Leitbild eines klinisch reinen Rasens folgen und uns mit so einem Wildwuchs erst einmal anfreunden müssen.

    Aber mal ehrlich: So ein Anblick wildwachsender Kräuter, in denen sich Insekten tummeln, erfreut doch auch das Herz.

    Hannes Lincke, Schatzmeister

    31.07.2020

    Ist er nützlich? Oder kann der weg?

    Gerade zog ich einmal mehr um. Ich merkte, wie viel Sachen ich in kurzer Zeit schon wieder mit mir rumschleppte. Und dabei frage ich mich bei vielen Dingen regelmäßig: Nutzt es mir? Brauche ich es noch? Oder wem nützt es? Dass sich diese Frage nicht nur auf Gegenstände beziehen kann, stelle ich immer wieder fest.

    Als ich vor einigen Wochen von dem Vorschlag der Grünen las, den Begriff der „Rasse“ aus unserem Grundgesetz zu streichen, weckte das in mir sofort Zustimmung. Ja, sagte ich mir, weg damit. Ich fragte mich nämlich, wem nützt der Begriff der Rasse heute noch? Ich fand heraus, dass es ihn seit noch gar nicht langer Zeit im Zusammenhang mit der Menschheit gibt, seit dem 17. Jahrhundert etwa, in dem starker Nationalismus entstand und vor allem Europa prägte und zum zweck der Ab-und Ausgrenzung verwendet wurde. Ich las auch, dass die Grünen auf viel Gegenwind stießen. Den Begriff im Grundgesetz zu erhalten wurde verteidigt mit dem Argument, der Strafbestand des Rassismus hätte durch das Auslöschen des Begriffs nicht mehr ausreichend Bestand.

    Die Grundlage der Straftat bleibt doch weiterhin aber die Diskriminierung. Deren Inhalt ist die Benachteiligung und Herabwürdigung bestimmter Wertvorstellungen und äußerer Merkmale, die mit Vorurteilen und emotionalen Assoziationen verknüpft sind.

    Wollen wir nationale, ethnische Diskriminierung auflösen, sollten wir ihr doch zunächst die Grundlage nehmen und aufklären, dass diese nicht haltbar ist.

    Denn die Diskriminierung aufgrund einer menschlichen Rasse ist wissenschaftlich nicht zu begründen. Nachweislich existiert zwar eine menschliche Rasse, aber eben die Menschheit nur in seiner Gesamtheit, in ihrer Gleichheit. Indem wir diesen Begriff also im Grundgesetz erhalten, verstärken wir dann nicht den Eindruck, dass dieser seine Berechtigung hat? Dass es diese Unterteilung der menschlichen Rasse sehr wohl gibt? Ich denke, wir sollten an der Ursache angreifen, aufklären, dass es sehr wohl und zum Glück eine Andersartigkeit zwischen Menschen gibt (die nicht diskriminiert werden darf) nicht aber eine Unterteilung in Rassen. Und das Grundgesetz sollte meiner Meinung nach zu dieser Aufklärung beitragen. Ein Gesetz kann keine Ursache bekämpfen, dafür setzt es zu spät an, es kann aber sehr wohl, wie in Form des Frauenwahlrechts gesellschaftliche Annahmen mit formen.

    Ich frage mich also, wem, außer dem Richter zur Feststellung des Tatbestands der Diskriminierung in Form des Rassismus, wem nützt der Begriff der Rasse sonst? Denen, die ihn missbrauchen und daraus erst eine Straftat formen. Wollen wir nationale, ethnische Ausgrenzung auflösen, sollten wir ihr also zunächst die Grundlage nehmen.

    Für mich persönlich wird es Zeit, das Grundgesetz zu modernisieren und den Begriff der Diskriminierung auszudrücken, dass nicht nur alle Menschen gleich sind. Ich bin für eine Umformulierung und Generalisierung aller Lebewesen: „Kein Lebewesen darf wegen jedweder Andersartigkeit von Anderen benachteiligt werden. Im Ursprung sind alle Lebewesen gleich und auch als solche zu behandeln. Vor dem Gesetz sind alle gleich.“

    Und damit kommen wir zum nächsten Begriff, dem Nutztier. Dieser steht jedoch (noch) auf einem anderen Blatt Papier.

    Karlotta Ahrens, ÖDP Mitglied

    Hinweis auf eine Tankstelle mit Erdgasangebot

    24.07.2020

    Brückentechnologie Bioerdgas

    Vor ca. drei Wochen war ich richtig froh! Und das an einer Tankstelle! Nicht etwa wegen des momentan viel zu niedrigen Spritpreises, sondern wegen der Tatsache, dass die Tankstelle endlich auf 100 % Bioerdgas umgestellt hat. Diese Umstellung der speziellen Hamburger Tankstelle lässt mich, wenn man die Herstellung des Kraftstoffes mit einrechnet, zu großen Teilen CO2-neutral von A nach B kommen, in der reinen Nutzung zu 100 %.

    Im Vergleich der Antriebstechnologien ist es bewiesen, dass es im Falle des motorisierten Individualverkehrs (MIV) momentan nichts umweltschonenderes als ein Erdgasfahrzeug gibt, welches mit Bioerdgas betrieben wird. Und auch den Vergleich mit einem Elektroauto, welches zu 100 % regenerativ hergestelltem Strom nutzt, gewinnt das Bioerdgas-Auto.

    Als Ingenieur finde ich die ÖDP gerade deswegen so klasse, weil es größtenteils nicht um ideologisch geprägtes Durchdrücken einer einzelnen Technologie geht. Ich will mich für die aktuell möglichst sinnvoll nutzbare Technologie einsetzen. Und dieses ist im Fall des MIV eben das Bioerdgas-betriebene Automobil. Daher gehen auch die aktuellen Förderprogramme der Bundesregierung an der ökologischen Realität vorbei. Denn Elektroautos haben Nachteile vor allem durch die Nutzung und Verarbeitung umweltschädlicher Substanzen in der Produktion, die zudem in prekären Arbeitsverhältnissen im Ausland abgebaut werden. Verstehen Sie mich nicht falsch – ich bin nicht gegen Elektroautos in der Zukunft. Jedoch sind in diesem Bereich noch eine massive Forschungsanstrengung notwendig während bei der Nutzung von Bioerdgas schon alles bereitliegt, um sehr zeitnah einen Großteil des Verkehrs ökologisch vertretbar zu machen. Und wir haben eben im Klimabereich keine Zeit. Dazu kommt die Kostenseite: im Vergleich zur Elektromobilität sind viel geringere Investitionskosten der Breitennutzung von Bioerdgas nötig und auch die Einzelperson spart laut aktuellen Spritpreisen ungefähr die Hälfte bei den Kraftstoffkosten im Vergleich zum herkömmlichen Benziner. So geht eine schnelle und auch sozial verträgliche Umweltpolitik im Individualverkehr.

    Meine Forderungen an die Hamburger Politik:

    • bioerdgasbetriebene Busse des ÖPNV – Augsburg macht es seit Jahren vor
    • Förderung von Tankstellen bei der Schaffung von Tankplätzen, die nachweislich Bioerdgas anbieten
    • höhere Steuern auf Primär-Erdgas

    P.S.: Dieser Artikel soll bewusst nicht gegen den ebenso erforderlichen massiven Ausbau und Attraktivitätssteigerung des ÖPNV oder des Radverkehrs zur Reduzierung der Individualmobilität gehen! Es soll eben nur eine Alternative aufzeigen, wie es in diesem speziellen Sektor des MIV geht.

    Tobias Montag, Landesvorsitzender

    Flyer des ÖDP Symposiums „Wirtschaft ohne Wachstumszwang!“ im Januar 2020

    17.07.2020

    Michael Endes Momo – Wer steckt hinter den grauen Herren?

    Durch Zufall bin ich kürzlich auf einen Klassiker der Deutschen Jugendliteratur aufmerksam geworden – Das Buch Momo von Michael Ende. In meiner Schulzeit hatte ich das Buch nicht gelesen und so holte ich das kurzerhand nach. Und ich muss sagen, dass mich dieses Buch beeindruckt hat. Bereits 1973 (!!!) beschreibt hier Michael Ende viele bedenkenswerte Trends unserer modernen Gesellschaft: Die Menschen laufen immer schneller im Hamsterrad und haben immer weniger Zeit mit all seinen Folgen. Menschliche Begegnungen kommen zu kurz, Schnellrestaurants boomen, monotone Schlafstädte werden aus dem Boden gestampft, ja und selbst für die eigenen Kinder bleibt kaum noch Zeit. Sie werden stattdessen zur Betreuung abgegeben bzw. mit Spielzeugen überhäuft. Das Bild, das Michael Ende hier von unserer Gesellschaft beschreibt, hat mich berührt und ich musste mir eingestehen, dass ich auch öfters so ein Erwachsener bin, der ständig keine Zeit hat.

    Im Buch sind die Bösen, die Schuld an dem ganzen Dilemma haben, die grauen Herren. Ihr Ziel ist es, den Menschen die Zeit zu klauen. Ganz geschickt schaffen sie es, die Menschen glauben zu lassen, sie müssten Zeit bei der Zeitsparkasse sparen. So kommt es schließlich, dass alle nur noch durch den Tag hetzen und keiner mehr seine Mitmenschen sieht.

    Doch wer steckt hinter den grauen Herren? Welche Parabel zeichnet hier Michael Ende durch seine Erzählung? Eine kurze Recherche bei Wikipedia ergibt: Ende kritisiere mit seinem Buch unser Geldsystem.

    Ich bin kein Experte für Geldpolitik, aber auch einem Laien entgeht nicht, dass die Menge an verfügbarem Geld in den letzten Jahren unheimlich zugenommen hat. Es steht immer mehr Geld zur Verfügung, das die Immobilienpreise und Aktienkurse in die Höhe treibt und das arbeiten und weiter Gewinn abwerfen soll. Vielleicht sind das die grauen Herren, die in Endes Erzählung immer mehr von unserer Zeit und letztendlich Lebensqualität abhaben wollen?

    Aus meiner Sicht ist dieser Mechanismus eine Komponente unseres auf immerwährenden Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystems. Und diese Wirtschaftsweise ist es, die an vielen ökologischen und sozialen Verwerfungen unserer Zeit Schuld ist. Ich finde es zutiefst traurig, dass zur Bewältigung der Corona-Krise eine weitere Finanz-Bazooka abgefeuert wird, anstatt diese Zäsur zu nutzen, um wirtschaftlich umzusteuern.

    An der ÖDP überzeugt mich, dass sie klar formuliert: „Wir müssen anders wirtschaften, weg von den Wachstumszwängen unserer Zeit.“ Doch wie könnte ein anderes Wirtschaftssystem aussehen? Eine eindeutige Antwort ist mir nicht bekannt, schließlich liegen dazu zu wenig Erfahrungen vor. Die ÖDP hat einen Anfang gemacht, Antworten zu finden und kürzlich ein Symposium zu genau diesem Thema veranstaltet: „Wirtschaft ohne Wachstumszwang!“. Sie können eine Aufzeichnung dieser Veranstaltung im Internet finden unter

    https://www.youtube.com/watch?v=7jQB3czRv-I

    oder Sie besuchen eine unserer Veranstaltungen hier in Hamburg und kommen mit uns ins Gespräch. Wir würden uns freuen, Sie kennenzulernen.

    Hannes Lincke, Schatzmeister

    Großplakat der ÖDP Hamburg zur Bürgerschaftswahl im Februar 2020

    10.07.2020

    Es regnet, aber…

    Nach ersten Befürchtungen, dass auch dieser Sommer wieder eine Qual für Pflanzen und Menschen werden könnte, die unter extremer Hitze und Trockenheit leiden, verschafft das Wetter der letzten Wochen uns und der Natur etwas Erleichterung. Noch immer freue ich mich an jedem Regentropfen. Klimakrise vorbei? Die Flugzeuge wegen Corona am Boden? Alles gut? Leider nein. Wer mehr als 20 cm tief im Garten gräbt, stellt noch immer schnell fest, dass die Erde im doppelten Sinn leidet. Das Klima kippt und wir können es vor unserer Haustür greifen. Es lohnt sich, den Dürremonitor des Helmholzzentrums für Umweltforschung für die letzten Monate einmal anzuschauen (https://www.ufz.de/index.php?de=37937). Seit vielen Monaten herrscht in großen Teilen unseres Landes und darüber hinaus in der Tiefe eine extreme Dürre, die viele Bäume so kaum überleben werden.

    Es ist ein Desaster, wie wenig die aktuelle Vollbremsung von Wirtschaft und Gesellschaft dazu genutzt wird, grundsätzlich darüber nachzudenken, wie unser Leben in Zukunft aussehen kann, ohne dass wir unsere Lebensgrundlagen ruinieren. Dass als zentrale Frage im Raum steht, die Konjunktur und das Wachstum – und damit auch den unseligen Ressourcenverbrauch – wieder anzukurbeln, zeigt: Die Demonstrationen von Fridays for Future und die Forderungen nach einer wirklich zukunftsfähigen Politik scheinen weit weg. (Auto)firmen wollen weiter produzieren und verkaufen – egal, ob es die Leute brauchen oder nicht. Die 1700 gemeinnützigen Gruppenübernachtungshäuser, wie Naturfreundehäuser und Schullandheime, die aktuell oft ohne Gästegruppen vor dem Aus dastehen, bekommen lächerliche 75 Millionen aus dem Konjunkturpaket. Die Lufthansa allein wird mit 9 Mrd. gestützt. Klimabelastung wird unterstützt. Viele Begegnungs- und Bildungsorte in der Natur hingegen werden wahrscheinlich schließen müssen. Diese Prioritätensetzung ist eine Katastrophe. Vieles deutet darauf hin, dass es bald so weitergehen soll, wie bisher. Leider.

    Das darf nicht sein. Hier braucht es Alternativen. Auch der Blick in die Tiefe unseres Bodens zeigt uns: wir müssen Politik nicht für morgen, sondern für übermorgen denken. Eines von unseren Wahlplakaten vom Februar sagte: Die ÖDP, die Urenkelpartei. Das ist der Blick, den es jetzt braucht.

    Benjamin Krohn, Stellvertretender Vorsitzender

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    Tobias Montag, Landesvorsitzender der ÖDP Hamburg

    03.07.2020

    Für eine gerechte Wahlrechtsreform!

    Wir starten heute mit einer neuen Meinungs-Rubrik: der „Freitagsperspektive“. Jede Woche wollen wir eines unserer Mitglieder zu einem aktuellen Thema oder zu einem Herzensthema zu Wort kommen lassen. Ich freue mich auf interessante Beiträge und Vielfalt, die unsere Partei zweifelsohne ausmacht.

    Heute ist der letzte Sitzungstag des Bundestags vor der Sommerpause. Die Medien bestimmte in dem Zusammenhang die verschiedenen Möglichkeiten einer Wahlrechtsreform. Ziel ist die Verhinderung eines zu großen Bundestages nach der Bundestagswahl 2021.

    Ich bin für eine Wahlrechtsreform. Nur diese geplante Wahlrechtsreform übergeht den Willen von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, die nicht mit ihrer Stimme im Bundestag vertreten sind. Bei der letzten Wahl waren es 2,35 Millionen, bei der Wahl davor waren es sogar 6,95 Millionen. Die geltende 5 %-Hürde sorgt dafür. Ich wünsche mir ein Wahlrecht ohne %-Hürde. Das geht ganz einfach. Wenn die 5 %-Hürde beibehalten werden soll, wofür es auch gute Argumente gibt, sollen die Wählenden eine Alternativstimme bekommen. Die erste Stimme bekommt die Partei, die sie gerne im Bundestag hätten. Die zweite bekommt die Partei, die sie gerne unterstützen möchten, wenn die erste es nicht schafft über die 5 % zu kommen. Dadurch würde der Wählerwille durch weniger taktisches Wählen weniger verfälscht werden. Dass Menschen in der Lage sind, dieses eine Kreuz mehr zu machen, beweisen sie jeden Tag beim Einkaufen: „Ah, Produkt A ist ausverkauft, dann nehme ich Produkt B“. Was ausverkaufte Produkte bedeuten, wissen wir spätestens seit Corona.

    Und diese Wahlrechtsreform hat die Zukunft der Kinder nicht im Fokus. Ich bin für ein allgemeines Wahlrecht ab Geburt. So steht es auch im bundespolitischen Programm der ÖDP. In einem ersten Schritt sollten 14-18-jährige auf Antrag und ohne Zustimmung der Eltern wählen dürfen. Warum das noch längst nicht so ist, erschließt sich mir nicht, denn Jugendlichen in diesem Alter wird durchaus zugetraut, Mitglied in einer Partei zu werden.

    Schon diese beiden Beispiele zeigen mir, dass die Gefahr der Entfremdung von Wählenden und Abgeordneten durch noch mal 50 Abgeordnete mehr im Bundestag sehr klein ist. Streiten Sie für mehr Gerechtigkeit in unserem Wahlrecht und werden Sie Mitglied in der ÖDP.

    Tobias Montag, Landesvorsitzender